Wieso gibt es in Deutschland Kinderarmut?
Kinderarmut ist in der Regel Familienarmut, denn Kinder sind finanziell abhängig von ihren Eltern. Eine Hauptursache für Kinderarmut ist Arbeitslosigkeit. Es gibt aber auch viele Familien, die trotz Arbeit nicht ausreichend Geld zur Verfügung haben und gezwungen sind, ihr geringes Einkommen mit Sozialleistungen aufzustocken – weil sie zum Beispiel alleinerziehend sind, im Niedriglohnsektor arbeiten oder aus gesundheitlichen Gründen nur vermindert arbeiten können. Kinderarmut findet sich auch verstärkt in Familien mit Migrationsgeschichte wieder, da die Eltern zum Beispiel Diskriminierung ausgesetzt sind, lange um eine Arbeitserlaubnis kämpfen müssen oder ihre Bildungs- und Berufs-Abschlüsse aus dem Ausland nicht anerkannt werden. Hinzu kommt: In Deutschland wird bei öffentlichen Ausgaben für Kinder und Familien oft als erstes gespart und das Geld fehlt ihnen an allen Ecken und Enden. Wenn Familien Sozialleistungen zur Existenzsicherung erhalten (Grundsicherung bzw. zuvor Bürgergeld), sind diese nicht ausreichend, um ein gesundes Aufwachsen und soziale Teilhabe von Kindern sicherzustellen.
Kinderarmut in Europa
Der Bericht „Child Poverty – the Cost Europe Cannot Afford” widerlegt einen Mythos: dass Kinderarmut unvermeidbar sei und Europa nicht genug Ressourcen habe, um sie zu beenden. Wir zeigen, wie erschreckend viel Kinderarmut Europa kostet – wirtschaftlich und sozial – und welche erprobten Lösungen es gibt. Eine Kurzfassung auf Deutsch mit einem besonderen Fokus auf die Situation in Deutschland finden Sie hier: „Kinderarmut: Kosten, die sich Europa nicht leisten kann”.
Nicht nur in Deutschland sind Kinder von Kinderarmut betroffen, sondern in ganz Europa. Mittlerweile sind 19,5 Millionen Kinder in der EU von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht. Das ist jedes vierte Kind. Zwar hat die Europäische Union 2021 die Europäische Kindergarantie eingeführt, aus dem jeder Mitgliedsstaat entsprechende nationale Aktionspläne abgeleitet hat. Die Kindergarantie sieht u. a. vor, dass die EU-Mitgliedstaaten armutsgefährdeten Kindern kostenlosen Zugang zu hochwertiger frühkindlicher Bildung und Betreuung, kostenlosen Unterricht und schulische Aktivitäten, mindestens eine gesunde Mahlzeit pro Schultag, Gesundheitsversorgung, angemessenen Wohnraum und gesunde Ernährung bieten sollen. Die Realität zeigt aber, dass die Politik immer noch viel zu oft an den Interessen der Kinder vorbei agiert und momentane Leistungs- und Unterstützungssysteme oft nicht ausreichen, um Kinderarmut in Europa wirksam zu bekämpfen.
Rund
Kinder in der EU sind von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht.
Kinderarmut ist seit viel zu langer Zeit ein gravierendes Problem in Deutschland. Das muss sich endlich ändern. Als Gesellschaft sind wir es den Millionen armutsbetroffenen Kindern schuldig, deren Chancen eingeschränkt, deren Gesundheit gefährdet und deren Rechte allzu oft missachtet werden.
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