Hungertreiber Krieg

Jedes sechste Kind weltweit lebt in Krisengebieten. Unzählige Kinder sterben bei Angriffen, aber noch viel mehr an Hunger und seinen Folgen. Nahrhafte, gesunde Lebensmittel sind kaum erhältlich. Hilfslieferungen werden durch die Kriegsparteien aufgehalten oder gänzlich verhindert. Viele Märkte sind zusammengebrochen, oftmals gibt es keine oder eine sehr notdürftige medizinische Versorgung.

Seit Beginn des Krieges in der Ukraine hat sich die Lage noch einmal dramatisch verschärft: Die Ukraine ist weltweit einer der Hauptexporteure von Weizen. Durch den Krieg sind jedoch sowohl Anbau als auch Export gefährdet. Die Folge ist ein enormer Preisanstieg bei Weizen. Viele Länder im Nahen Osten und in Afrika sind auf die Weizenexporte angewiesen. So könnten in diesem Jahr zusätzlich mehr als 10 Millionen Kinder unterernährt sein.

Hungertreiber Klimakrise

Die Klimakrise ist bereits jetzt weltweit spürbar. Sie macht sich vielerorts mit ungewöhnlich häufigen Trockenperioden und heftigen Regenzeiten bemerkbar, zum Beispiel aktuell in Ostafrika. Bei extremen Dürren verkümmern die Ernten und trocknen die Böden aus. Und immer wieder überschwemmen sintflutartige Regenfälle ganze Landstriche, weil die verdorrten Böden kein Wasser aufnehmen können. Straßen, Brücken und Häuser werden zerstört.

Aktuell sind vor allem Äthiopien, Kenia und Somalia von einer extremen Dürre betroffen (Stand Mai 2022). Allein im letzten Jahr hat sich dort die Zahl der Menschen, die unter Hunger leiden mehr als verdoppelt. Es ist beschämend, dass es der internationalen Staatengemeinschaft rund ein Jahrzehnt, nachdem in der großen Dürre von 2011 allein in Somalia fast 260.000 Menschen starben – die Hälfte von ihnen Kinder –  erneut nicht zu gelingen scheint, durch rasche und umfassende Hilfe Leben zu retten. Noch immer handeln die Verantwortlichen beim Kampf gegen Dürren und Hunger zu zögerlich. Das ist die Schlussfolgerung des aktuellen Berichts von Oxfam und Save the Children, der die Entwicklung des Systems der humanitären Hilfe seit der Katastrophe von 2011 untersucht hat.

Hungertreiber COVID-19

Infolge der Corona-Pandemie haben weltweit unzählige Menschen ihre Jobs verloren, sind Lieferketten unterbrochen worden, wurden Lebensmittel und andere lebensnotwendige Güter knapp und damit oft extrem teuer. Immer mehr Familien können sich Grundnahrungsmittel kaum noch leisten.

Mehr als
800 Mio.

Menschen weltweit haben nicht genug zu essen und sind unterernährt.

Mehr als
450 Mio.

Kinder weltweit leben derzeit in Kriegsgebieten. Sie sind nicht nur von Gewalt, sondern oft auch von akuter Mangelernährung bedroht.

80%

Weltweit sind klimabedingte Katastrophen für 80% aller Ernteausfälle verantwortlich.

Ich habe die ver­ende­ten Rin­der und Ka­mele am Straßen­rand ge­sehen und mit Men­schen ge­spro­chen, die durch die Dürre alles ver­lo­ren haben und nun auf der Suche nach Wasser und Weide­grund in proviso­rischen Zelt­lagern hau­sen, wo sie nur das Nötig­ste er­hal­ten – wenn überhaupt. Viele Kinder sind bereits völlig unter­ernährt. Wir können nicht zulassen, dass sich die Kata­strophe von 2011 wiederholt. Wir ste­hen be­reit.

Florian Westphal Geschäftsführer Save the Children Deutschland

Die Bundesregierung muss handeln: Kein Kind darf hungern!

Es ist ein Skandal, dass im 21. Jahrhundert noch immer der Wohnort, die Herkunft oder die finanzielle Situation der Eltern darüber entscheidet, ob ihr Kind genug zu essen hat und sich gesund entwickeln kann. Wir fordern die deutsche Bundesregierung auf, den Hunger und Mangelernährung jetzt konsequent zu bekämpfen!

Wir fordern das Recht auf Nahrung für jedes Kind!

Durch Taten statt Worte

Die internationale Gemeinschaft hat globale Ziele für nachhaltige Entwicklung vereinbart, die bis 2030 erreicht werden sollen. Dazu gehört das Ziel, weltweit den Hunger zu beenden. Ange­sichts der gegenläufigen Entwicklung darf das Engagement der Bundes­regierung für dieses Ziel jetzt nicht nachlassen. Sie muss anknüpfend an den Ernährungs­gipfel "Nutrition for Growth" in Tokio 2021 genug Gelder zur Bekämpfung von Mangelernährung bereitstellen. Die Sonderinitiative „EINEWELT ohne Hunger“ muss sie auch nach 2021 langfristig verlängern.

Ausnahmslos für alle Kinder

Eins von fünf Kindern auf der Welt leidet an Wachstums­störungen, da ihm notwendige Nährstoffe fehlen. Familien, die schon vor der Corona-Pandemie benachteiligt waren, brauchen jetzt unsere ganze Aufmerksamkeit. Die Bundes­regierung muss ihre Entwicklungs­politik so gestalten, dass benach­teiligte Familien zuerst erreicht werden. Lokale Strukturen müssen gestärkt und Kinder so früh wie möglich unterstützt werden. Eine für alle kostenfreie Gesundheits­versorgung muss gesunde Ernährung einschließen. Familien müssen befähigt werden, sich selbst zu helfen.

Mit langfristigen Programmen

Kurzfristige Maßnahmen zur Bekämpfung von akutem Hunger sind wichtig, reichen aber nicht. Sie müssen mit Programmen zur langfristigen Ernährungs­sicherung einhergehen. Die Bundesregierung muss deshalb die Humanitäre Hilfe besser mit der Entwicklungszusammenarbeit verzahnen. Nötig sind auch flexible Gelder zur Prävention, um frühzeitig auf drohende Krisen zu reagieren, die zunehmend durch Klimawandel und Kriege verursacht werden.

© Tom Merilion

Ich bin stark, weil ich Gemüse, Fisch, Eier und Huhn esse. Ich esse alle Nahrungsmittel, die ich brauche, um mich gesund zu ernähren. Mein Bruder isst Eier und was ich esse. Ich füttere ihn. Er braucht all die verschiedenen Nahrungsmittel. Ohne das gute Essen wird er krank.